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Arbeitsförderung

Nicht nur für den Aufenthaltsstatus ist die eigenständige Lebensunterhaltssicherung von großer Bedeutung, auch gesellschaftliche und soziale Teilhabe lassen sich mit einem Einkommen oft besser realisieren.

Gerade Personen mit (Erwerbs-)Biographien aus anderen Ländern, brauchen Beratung, Orientierung und Unterstützung bei der beruflichen Planung. Diese Aufgabe der Arbeitsförderung übernehmen staatlicherseits – abhängig vom Aufenthaltsstatus – die Agentur für Arbeit und die JobCenter.

Zuständigkeiten für die Arbeitsförderung

Die Agentur für Arbeit und das JobCenter haben unterschiedliche Aufgaben und sind in unterschiedlichen Phasen des Asylverfahrens und nach Abschluss des Verfahrens zuständig. Ein Überblick:

2018 AgenturfuerArbeit JobCenter

Agentur für Arbeit und Sozialamt

Die Agentur für Arbeit berät und vermittelt in Ausbildung und Arbeit. Die Sozialämter hingegen sind für die Erteilung der Leistungen zum Lebensunterhalt nach AsylbLG zuständig.

Welche Leistungen dies sind, kann man in dieser Übersicht erkennen.

Alle Personen, die im Asylverfahren sind oder eine Duldung besitzen, sind Klient*innen des Sozialamts und – nach Anmeldung als arbeitslos, arbeitssuchend oder ausbildungssuchend – der Agentur für Arbeit. Nur wenn man einen der drei Status hat, erhält man die Leistung.

Wird ein Aufenthaltstitel erteilt, findet in der Regel ein sogenannter „Rechtskreiswechsel“ statt. Anstatt vom Sozialamt bzw. von der Agentur für Arbeit erhält man fortan Leistungen vom JobCenter.

Es gibt allerdings vier humanitäre Aufenthaltstitel, mit denen man weiterhin Klient*in des Sozialamts und der Agentur für Arbeit ist. Diese Konstellationen kommen in der Praxis allerdings nicht sehr häufig vor.

Grundsätzlich sollten JobCenter und die Agentur für Arbeit aber genau wissen, wer für wen zuständig ist. Auch Beratungsstellen können hier weiterhelfen, wenn es Unklarheiten gibt.

JobCenter

Besitzt man eine Aufenthaltserlaubnis, eine Niederlassungserlaubnis, eine Daueraufenthalt-EU oder die deutsche Staatsbürgerschaft, laufen die Leistungen zum Lebensunterhalt (SGB II) und die Beratung hinsichtlich einer Arbeitsmarktintegration über das JobCenter.

Qualifikation vs. Erwerbstätigkeit

Flüchtlinge betrachten das Thema „Arbeit“ oft recht anders als die Arbeitsförderung. Erwartet der deutsche Arbeitsmarkt in der Regel Schul- und Berufsabschlüsse und gute Sprachkenntnisse, haben Flüchtlinge oft Verwandte – zum Teil enge Familienangehörige – in prekärsten Lebensverhältnissen oder Kriegsgebieten und deshalb ein hohes Interesse daran, schnell Geld zu verdienen, das den Angehörigen das Leben retten kann.

Ein Arbeitsmarkteinstieg ohne formale Qualifikation ist in vielen Herkunftsländern üblich, in Deutschland hingegen wird es mit zunehmendem Alter schwierig, in unqualifizierten Jobs unterzukommen. Eine Absicherung durch eine Qualifikation ist ratsam, erfordert aber Zeit.

Die Herausforderung ist, eine Planung aufzustellen, die kurz-, mittel- und langfristige Perspektiven miteinbezieht. Dazu muss die individuelle Situation betrachtet werden. Manche Menschen lernen die Sprache schneller über die Arbeit, als in einem Unterrichtsraum. Andere können sich auf das Erlernen der Sprache gar nicht konzentrieren, wenn Frau und Kind noch im Heimatland leben.

Welche Arbeit lohnt sich?

Teilzeitarbeit, die nebenbei weitere (Sprach-)Kurse ermöglicht, kann eine Lösung sein.

Bezieht man Leistungen vom Sozialamt, so wird das in der Teilzeitarbeit verdiente Geld teilweise mit den Leistungen vom Sozialamt verrechnet.

Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG, also für Menschen mit einer Gestattung oder Duldung) dürfen 25 % des Bruttoeinkommens anrechnungsfrei behalten werden – das bedeutet, dieser Betrag wird NICHT auf die Sozialleistungen angerechnet. Doch dies gilt nur bis zur Hälfte des Betrags der jeweiligen Sozialleistung. Ein Mehrverdienst wird dann von den Sozial- und Mietleistungen abgezogen.

Download einer Übersicht über die Einkommensanrechnung

Natürlich ist es positiv, dass mit dem erhöhten Einkommen Sozialleistungen eingespart werden können. Eine Stundenerhöhung kann zudem auch arbeitsplatzsichernd sein, man lernt neue Tätigkeiten oder verbessert die Sprache durch Anwendung im Betrieb. Wenn die erhöhte Stundenzahl aber die Teilnahme an einem Deutschkurs oder anderen Qualifikationsmaßnahmen verhindert, muss geprüft werden, welche Gründe für eine Erhöhung der Stundenzahl sprechen.

Unter Umständen kann es daher für den Integrationsprozess zweckmäßiger sein, die Erwerbstätigkeit im Minijob oder niedrigen Teilzeitbereich zu belassen, um sich noch Freiraum zur Teilnahme an anderen Qualifizierungsmaßnahmen zu ermöglichen.